On Tour durch Patagonien

mit dem Fahrrad durch Südamerika

Perfekte letzte Tage

Pass nach Chile
Durch dichte Regenwolken geht es zum Grenzpass nach Chile. Die eindrucksvolle Wüsten- und Waldlandschaft lässt sich bei Wind und Regen nur erahnen. Da bin ich froh als ich ankomme und aus Argentinien raus bin. Ich campe ein paar Kilometer hinter der Grenze und am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder ganz anders aus …
Bei klarem Himmel und Sonne ist der Araukarienwald am Fuße des riesigen Lanin Vulkans schon ziemlich beeindruckend.

Vulkantour in Pucon

Auf dem Campingplatz treffe ich Bernard wieder, der mir diesen bereits per Mail empfohlen hat. Bernard ist Niederländer und auch mit seinen 60 Jahren noch auf dem Rad unterwegs. Wir sind öfter ein paar Tage zusammen gereist und es war immer schön ihn dann durch Zufall nach ein paar Tagen/Wochen wieder zu treffen.

Ich trage mich noch am Abend für die Villarica Vulkantour ein. In der Dämmerung geht es bis zur Cafeteria und man sieht den Krater orange leuchtend. Beeindruckend.

Wir sind eine Gruppe von 12 Teilnehmern und 4 Bergführer. Diese hatte alle, bis auf mich, überredet den Lift zu benutzen und damit für 14 Euro, eine Stunde und ein paar Höhenmeter zu sparen. Ich steige also mit der Bergführerin Maria alleine auf, während der Rest erst einmal lange auf den Lift warten muss. Als wir die Gruppe dann nach dem Lift auch schnell wieder eingeholt haben, geht es von nun an leider langsam im Gänsemarsch voran.

Mit Steigeisen und Eisaxt geht es dann nach einer kurzen Einführung einfach den Gletscher hoch. Der Ausblick ist Atemberaubend und dass Wetter auch top. Mit den ganzen anderen Gruppen am Berg, stört einzig der Trubel etwas.

Trotzdem ist der gesamte Aufstieg gerade mit der Aussicht genial.

Am Kraterrand angekommen, erleben wir dann den absoluten Höhepunkt der Tour. Wir haben freien Blick auf die brodelnde und glühende Lava, des aktivsten Vulkans Chiles. Erst im März 2015 ist er das letzte Mal ausgebrochen (Video aus Pucon). Wir hatten an diesem Tag die besten Bedingungen und selbst die Guides die hier 5 mal die Woche hoch kommen haben Videos gemacht, da die Sicht selten so frei ist und der Vulkan sonst auch oft nur raucht. Aufgrund der hohen Aktivität war er danach auch tagelang noch gesperrt und teilweise der komplette Gipfel verraucht.

Auch auf dem Abstieg wirkte dieses atemberaubende Gipfelerlebnis noch nach, bis es dann nochmal richtig lustig wurde. Den unteren Bereich des Gletschers rutschen wir nähmlich auf Plastikporutschern herunter. Dabei erreichte man ziehmlich hohe Geschwindigkeiten und musste dauerhaft mit der Eisaxt bremsen.

Nationalpark Huerquehue
Ich verbrachte noch ein paar Tage mit Bernard in Pucon ehe er mit dem Nachtbus nach Santiago zu seinem Flug aufbrach und ich mich für meine letzte Woche nochmal in den nahegelegenen Nationalpark Huerquehue begab.

San Sebastian
Irgendwo auf der Schotterpiste in die Berge traf ich einen Hund, der mir von nun an den ganzen Tag folgen wollte. Erst am Nationalparkeingang verscheuchten sie ein paar verdutzte Ranger, da Hunde im Park verboten sind.

Als ich dann am nächsten Tag vom Campingplatz „Olga“ zur Wanderung auf den San Sebastian aufbrach, sprang mich die Hündin Lili wieder freudig aus dem Unterholz an und wollte den Park mit mir wieder verlassen. Als ich mich aber für den Wanderweg entschied kam sie kurzerhand mit und scheuchte mich förmlich den Berg hoch. Sie rannte nämlich immer vor um dann mit vorwurfsvollem Blick auf mich mit dem Rucksack zu warten. Im Zweifelsfall kam sie sogar zurück gelaufen um mir zu zeigen, dass ich ihr echt zu langsam bin.

Kurz vor dem Gipfel kamen mir dann die ersten Menschen entgegen. Lili hatte wohl den Spaß am Bergsteigen verloren, jedenfalls schloss sie sich nach drei Stunden und 1000 Höhenmetern dem Abstieg des französischen Paares an. Ich hoffe dass es diesem tollen Hund immer noch gut geht und vielleicht nochmal, wie leider soviele Straßenhunde, einen netten Besitzer findet (Ich hab sie nicht gefüttert).

Meine vorerst letzte Wanderung vor dem Flug nach Europa sollte eine Zweitagestour zu den Ökothermen am Rio Blanco werden. Durch die hohe vulkanische Aktivität gibt es überall in der Region Thermalquellen und Bäder (vom Steinpool bis zum Luxus SPA).

Bis auf ein paar meckerige, aber vor allem kleinkarierte Ranger verging der Tag schnell und anstrengend. Durch dichten Araukarienwald ging es an diversen Bergseen vorbei. Diese skurril wirkenden Nadelwälder sind in vielen Bereichen schon der Forstwirtschaft zum Opfer gefallen. Die nussartigen Samen dieser Bäume („pinoñes“) dienen den Indigenen Mapuche schon seit Jahrhunderten als Nahrungsquelle, gerade für die kalte Jahreszeit. Sie schmecken einer Mischung aus Kohlrabi und Mandel (Wikipedia sieht dass anders ^^) und dienten mir als Wegzerrung, man kann sie aber auch überall in Supermärkten kaufen.

Erst bei Einbruch der Dunkelheit erreichte ich nach ca. 25km den Campingplatz mit den Thermen. Dann kochte ich und genoss meinen Reis alleine im Steinpool unter dem am meisten beeindruckeden Sternenhimmel den ich je gesehen habe.

Insgesamt stellten diese letzten Tage in Pucon und dem Nationalpark einen wunderschönen Abschluss meiner Tour in Südamerika dar. Auch wenn ich mittlerweile schon Zuhause bin, könnt ihr in der nächsten Zeit noch auf den ein oder anderen Blogartikel gespannt sein (Rückreise durch Europa, Retrospektive), bleibt also dran. Auch über Kommentare freue ich mich immernoch jederzeit :).

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3 Kommentare

  1. Hanna 26. Mai 2016

    Ein wunderbarer Blogeintrag, wo man wieder realisiert was man beim reisen für einzigartige Erlebnisse und Erfahrungen macht. Bei den eindrucksvollen Fotos wünsche ich mir diese Momente nochmal direkt mit dir teilen zu können

    • Sven Arved 27. Mai 2016 — Autor der Seiten

      Danke, Südamerika und Patagonien stehen auch nach der Tour noch ganz weit oben auf der Reise Liste 🙂

  2. Gabi 17. Juni 2016

    hallo Sven Arved,
    wäre ja spannend noch weitere Bilder vom „Rest“ der Reise zu sehen, bevor du die Eindrücke vergessen hast.
    Liebe Grüße
    Gabi

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