On Tour durch Patagonien

mit dem Fahrrad durch Südamerika

Endspurt nach Hause: Vom Mittelmeer nach Norddeutschland

Nach den perfekten letzten Tagen in Pucon ging die Zeit in Chile schnell zu Ende. In Pucon habe ich mir einen Fahrradkarton gesucht (5 Min; 2 Euro). Hier bin ich wieder mal einem guten Ratschlag von Bernard gefolgt: Bleib so lang wie möglich in Pucon, vergiss Santiago. Also machte ich es wie er eine knappe Woche zu vor. Ich kaufte mir ein Nachtbusticket von Pucon nach Santiago für den Dienstag den 12.04, sodass ich Mittwochmorgens in der Hauptstadt aufwache.

Der Busbedienstete wollte zwar den Radkarton erst nur gegen Frachtgebühr mitnehmen, aber mit den am Bahnsteig gewonnen Bekannten belagerten wir den Gepäckeingang bis er es so nahm. Dann wollte er auf der Fahrt noch die „Gebühren“ dafür einsammeln. Mit umgerechnet 5 Euro, die er sich in die eigene Tasche steckte war das dann auch erledigt. Komisches Gefühl, dass erste Mal Schmiergeld zu zahlen, aber auch in Chile gibt es leider noch einige wenige schwarze Schafe. Korruption ist hier sonst aber kein größeres Thema als in Westeuropa. Der Bus war trotz 2. Klasse (semicama) , der gemütlichste Reisebus den ich je erlebt habe und für 11 Euro bin ich dann morgens wirklich gut durchgeschlafen nach 9 Stunden angekommen.

Hafen von Marseille

Ich wartete jeweils einen halben Tag in Santiago und Paris am Flughafen und kam nach 48 Stunde Gesamtdauer gut in Marseille an. Da überraschte mich Karen, eine alte Bekannte von einem drei Jahre zurückliegenden Spanienaustausch, schon am Flughafen. Seitdem ist bei uns beiden natürlich viel passiert und solange habe ich noch nie mit jemanden auf Spanisch geredet. Nach drei schönen Tagen wurde aus einer alten Bekanntschaft eine neue Freundschaft.

Basilique Notre-Dame de la Garde in Marseille


Altar der Basilique Notre-Dam ein Schutzpatronin der Seefahrer

Nebenbei schlenderten wir durch dass warme Marseille und machten einen Ausflug an die schöne Cote d‘ Azur mit ihren Calanquen (Steilküstenbuchten). Gerade die Architektur hat mir sehr gefallen, aber es war auch schön aus der Stadt dann mal wieder rauszukommen. Das Mittelmeer war noch arschkalt, aber wenn man dass erste mal da ist muss man natürlich schwimmen gehen.

Calanque bei Marseille


Justizgebäude in Marseille

An diesem Wochenende genoss ich die Gastfreundschaft der ganzen Familie, aber danach ging es für Sie wieder in die Schule und für mich begann die letzte große Tour: nach Hause. Auf einer Schnellstraße verlasse ich Marseille auf dem Standstreifen, der Verkehr ist sicherlich noch etwas wild, aber alle nehmen Rücksicht. Entlang der Rhone und des begleitenden Radweges geht es weiter nach Lyon. Lange Zeit finde ich den Radweg nur auf meiner Handykarte, bis sie in der neuen Provinz plötzlich sogar Schilder hingestellt haben. Luxus pur! Abends suche ich mir einen grünen Rückzugsort und übernachte nur im Schlafsack, z.B. direkt am Fluss. Dass ist Freiheit. Meine Beschränktheit fällt mir erst auf wenn ich mal reden muss oder angesprochen werde. Kommunikation geht nur mit Händen, Füßen, Merci und Bon jour. Englisch ist ne Weltsprache, aber nicht in Frankreich :D.

Erst als ich ins Überschwemmungsgebiet komme wird es ekelig, der asphaltierte Weg ist komplett verschlammt. Mein Rad und die Schaltung leiden nocheimal so richtig.

Das sonnige Frankreich

In Lyon verbringe ich die Zeit bei einem coolen Lehrer, den ich mit Freunden auf einer Radtour in Spanien kennengelernt habe. Dort war er ebenfalls mit den Rad unterwegs, aber hier lerne ich seine zweite Leidenschaft kennen: Oldtimer! In einem quietschgelben Citroen aus ABS Kunststoff geht es auf Spritztour durch dass Lyoner Umland. Auch kulinarisch werde ich aller bestens versorgt und genieße die Ergebnisse einer (französischen) Küche.

DAS Auto !

Das nächste Ziel heißt Freiburg. Irgendwann stoße ich auf den Eurovelo 6 (Fernradweg: Atlantikküste-Schwarzes Meer) und folge mal dem und mal einfach den unzähligen Flüssen und Kanälen. Mehrere Tage Regenwetter drücken auf die Stimmung, aber der Tachostand ist am Ende des Tages immer dreistellig.

Und schon wieder braut sich was zusammen


Meist beste Radwege und viele Flüsse und Kanäle in Frankreich

Die Radwege sind meist asphaltiert und so bin ich nach 6 Fahrtagen endlich wieder in Deutschland. Die letzten Kilometer habe ich schon das Tempo angezogen und als ich dann über die Rheinbrücke rolle habe ich echt super Laune. Die Straßenarbeiter sind von meinem lauten und enthusiastischen „Moin, Moin“ etwas überrascht, grüßen aber lachend zurück. Es ist schon was anderes wieder Deutsch reden zu können und die Grenze bringt mich gedanklich einen deutlichen Schritt näher an zu Hause.

Endlich in der BRD


Freiburger Seepark, im Hintergrund der Schwarzwald

Ein paar Stunden später bin ich auch in Freiburg. Ich verbringe lustige Tage in der Studentenstadt Freiburg und genieße wieder gutes Essen und die Gesellschaft eines Mitabiturienten der sich hier schon super eingelebt hat und natürlich studiert. Die grüne Stadt mit den meisten Sonnenstunden Deutschlands und der höchsten Kneipendichte ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die Orientierung auf der Weiterreise fällt dann aber leicht, es geht den Rhein hinunter. In Ba-Wü lassen die Radwege dort noch etwas zu wünschen übrig aber ab Rheinland-Pfalz ist es einfach super, also wieso nach Hessen wechseln ? Auf der Strecke liegen Straßburg, Karlsruhe, Speyer, Worms, Mainz und das wunderschöne Mittelrheintal. Während ich in Frankreich durch unbekannte Lande gefahren bin, kennt man hier die Stadtnamen und bekommt nun endlich auch mal eigene Eindrücke dazu.

Morgens an einer Industrieanlage am Rhein, irgendwo in Ba-Wü


Dom zu Speyer

An Himmelfahrt gehts von Mainz nach Koblenz durch das UNESCO Welterbe Mittelrheintal. Ich sehe nur wenig Bollerwagen, aber die Radwege sind proppenvoll. Es ist ein Spaß wie sich manche beim Überholen über das Tempo, aber vorallem meine Ladung erschrecken. Die hohe E-Bike Quote bei allen Altersklassen ist echt ernüchternd, aber auch mit denen kann ichs aufgrund der hohen Motivation heute gut aufnehmen. Im Mittelrheintal fährt man durch schnuckelige Dörfer und folgt dem kurvenreichen Rhein durch eine bergige Landschaft voller Burgen und Weinberge.

An der Moselmündung, am „Deutschen Eck“, werde ich beim Erholen von einem anderen jungen vollgepackten Radreisenden angesprochen. Er ist gerade auf dem Rückweg von einer Radtour in Marokko, wir unterhalten uns viel und suchen uns dann gemeinsam einen Schlafplatz. Es ist einfach lustig mit jemandem zu fahren, der schon dass selbe“Auge“ entwickelt hat. So übernachten wir zu zweit wild in Mitten von Koblenz. Am nächsten Morgen nimmt er wie zuvor geplant den Bus nach Hause und ich fahre weiter. Ich mache einen Abstecher die Mosel hoch um meine Oma und Familie in der Eifel zu besuchen.

Das Mittelrheintal: Kurven, Burgen, Rhein und Wein

Frühling in den Moseldörfern

In einer Tagesetappe geht es nach Köln zu einem alten Sportskameraden. Auf dem Weg komme ich mit meinem Rad natürlich oft ins Gespräch, diesmal gibts sogar gleich ne Einladung zu Kaffee und Kuchen. Auch in Köln freue ich mich wieder ein bekanntes Gesicht nach Jahren wieder zu sehen und nutze den einen Tag noch für etwas Erholung. Nur eine Dombesteigung ist natürlich Pflicht.

Köln vom Dom aus

Ab jetzt steht Plan. Meine Ankunft ist angekündigt, zumindest bei den meisten und so bleiben mir noch 4 Tage bis nach Hause. Es geht den Rhein hinunter bis Düsseldorf, dann Richtung Essen und entlang der Ruhr durch den Pott. In Essen werde ich von einem ehemaligen Weltreiseradler nach Hause eingeladen, einfach toll :). Dann gehts dass unnötige Bielefeld Richtung Hannover, dass ich dann zum Glück gut umfahre. Meine letzte Nacht verbringe ich bei Porta Westfalica am Weserstrand, also noch in Nordrhein Westfalen. Am letzten Tag gehts mal wieder um 6:00 los und ich trete fleißig in die Pedalen. Als ich dass erste Mal Celle ausgeschildert sehe, kommt ein Freudenschrei und immer mehr Ausblicke sind mir bekannt. Ein unbeschreibliches Gefühl, auch wenn es nur sechs Monate waren die ich weg war.

Dann, nach 60 Minuten Pause und 9 Stunden Fahrt komme ich am 13.05 glücklich und ausgepowert (1900km in und 30 Tagen) in der Heimatstadt an. Mit grillen und baden werde ich super empfangen und bin sprachlos. Ich bin angekommen, zumindest mit dem Rad :)) Vielen Dank nochmal für die tolle Begrüßung, ihr seid so einmalig wie verrückt.

Endlich angekommen 🙂

Dieser Blogbeitrag kommt etwas verspätet, denn erstmal gab es natürlich viele andere Dinge zu tun und zu genießen. Mittlerweile habe ich mich schon wieder halbwegs eingelebt, ihr könnt euch trotzdem auch demnächst noch auf neue Fotos und Beiträge freuen.

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